Von Schlehen, leeren Batterien und einem teuren Likör
Es begann ganz harmlos. Meine Frau kam neulich mit einer Tüte voller Schlehen vom Waldrand nach Hause, beseelt von der Vorstellung eines köstlichen, selbstgemachten Schlehenlikörs. "Gesund soll der sein", verkündete sie. Ich nickte pflichtbewusst, auch wenn ich insgeheim dachte: Gesund und Likör – zwei Worte, die sich ähnlich gut vertragen wie Katze und Staubsauger.
Dann kam der Moment der Wahrheit: die Waage. Unsere kleine Küchenwaage, treu und zuverlässig seit Jahren. Oder besser gesagt: war treu und zuverlässig. Jetzt? Tot. Mausetot. Ein Blick unter das Kläppchen verriet den Übeltäter: Die Batterie hatte ihren Geist aufgegeben. Und da prangte es, das Logo, das mir einen Stich versetzte – Varta.
Die sentimentale Aktien-Schnapsidee
Eigentlich hatte ich mit Aktien schon lange abgeschlossen. Zu viel Stress, zu viel Ärger. Aber dann kam dieser Moment der Nostalgie: Ellwangen, meine Heimat am östlichen Rand der Ostalb, Heimat von Varta. Und dann die Schlagzeilen – Varta beliefert Apple! Die machen die Batterien für die AirPods! Das klang so vielversprechend, so nach "jetzt geht's steil bergauf".
Also kaufte ich. Ein paar Anteile. Nicht viel, aber genug, um mir einzubilden, Teil von etwas Großem zu sein. Apple und Varta – das Dream-Team der Zukunft!
Spoiler: Es wurde kein Dream-Team.
Von Höhenflügen und Bruchlandungen
Was dann geschah, liest sich wie ein Wirtschaftskrimi für Fortgeschrittene: Varta wurde abhängig von den kleinen Kopfhörer-Akkus. So richtig abhängig. Als Apple dann entschied, die Produktion zu anderen Lieferanten zu verlagern und die AirPods-Verkäufe ins Stocken gerieten, stand Varta da wie der letzte Gast auf einer Party, die längst vorbei ist.
Das Ende vom Lied? Insolvenz. Kapitalschnitt auf null. Meine Aktien? Wertlos. Börsennotierung? Eingestellt.
Die bittere Erkenntnis
Jetzt stehe ich hier, schaue auf die leere Batterie in unserer Waage und denke: Dieser Schlehenlikör wird der teuerste Likör meines Lebens. Nicht wegen der Zutaten. Nicht wegen der Arbeit. Sondern wegen einer sentimentalen Schnapsidee namens "Varta-Aktien".
Meine Frau wiegt inzwischen ihre Schlehen mit dem Smartphone ab (ja, das geht wohl). Und ich? Ich habe gelernt: Manchmal ist eine leere Batterie einfach nur eine leere Batterie. Und nicht der Beginn einer großen Investmentstory.
Update 2026: Der Phönix aus der Asche? Oder doch nur Rauch?
Inzwischen ist mehr als ein Jahr vergangen, und Varta gibt es noch – sozusagen. Das Unternehmen hat sich durch ein sogenanntes StaRUG-Verfahren gerettet. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber tatsächlich ein deutsches Restrukturierungsgesetz. Kurz gesagt: Die Firma wurde komplett entschuldet, indem man den Kapitalschnitt auf null setzte. Alle Altaktionäre – inklusive mir – wurden enteignet. Ohne Entschädigung. Einfach so.
Die neuen Besitzer? Der bisherige Mehrheitseigner Michael Tojner und – Überraschung – Porsche! Beide investierten je 30 Millionen Euro und halten nun je 32 Prozent der Anteile. Porsche braucht die Batterien für den neuen 911 GTS. Clever. Sehr clever sogar.
Die Schulden wurden von fast 500 Millionen auf etwa 200 Millionen Euro gedrückt. Das Unternehmen ist laut eigener Aussage "bis Ende 2027 finanziell gesichert". 4.000 Arbeitsplätze in Ellwangen sollen erhalten bleiben – mit moderatem Stellenabbau in der Verwaltung, dafür aber Neueinstellungen in der Produktion.
Klingt nach Happy End für Varta. Aber für die Kleinaktionäre? Die gucken in die Röhre. Die Aktie wurde von der Börse genommen. Die Investition? Futsch. Komplett.
Die zynische Moral der Geschichte
Varta lebt also weiter. Das freut mich für Ellwangen, für die Region, für die Arbeitsplätze. Ehrlich. Aber meine Aktien? Die sind Geschichte. Und während Tojner und Porsche jetzt den Neuanfang feiern, sitze ich hier mit meiner leeren Batterie und denke: Immerhin habe ich noch den Schlehenlikör.
Aber den Likör trinken wir trotzdem. Prost – auf die teuerste Flasche, die ich nie gekauft habe!
P.S.: Falls Sie jemals überlegen, aus nostalgischen Gründen in Aktien zu investieren – tun Sie's nicht. Kaufen Sie lieber gleich den fertigen Likör. Ist billiger. Und schmeckt garantiert besser als der Geschmack einer Totalenteignung.
Schlehen und Batterien
Die Frau war vor einigen Wochen am pflücken von Schlehen ein Waldrand des Dorfes für den leckenen und gesunden Likör pflücken. Fürs zubereiten brauchte sie unsere kleine Waage, die aber nicht mehr funktioniere, weil die Batterie leer war. Unter dem kleinen Kläppchen für die Batterieknöpfen prangte das Markenlogo der gekannten Firma Varta. Jetzt fehlt mir das alles wieder an.
Eigenlich hatte ich seit langem nichts mehr mit Aktien am Hut. Da aber Ellwangen praxis als Stadt am östlichen Ostalb Heimat ist und die Geschichte des Batterienspezialisten als xx für Apple Geräte richtig heiß sich anschaute, kaufte ich mir ein paar Anteile.
Der deutsche Batteriehersteller Varta hat sich verpflichtet, als Zulieferer von Apple komplett auf erneuerbare Energien umzusteigen. Das kündigte Apple-Managerin Sarah Chandler am Mittwoch in Berlin auf der Konferenz „Electronics Goes Green“ des Fraunhofer-Instituts IZM an.
Damit bestätigte die Umwelt-Expertin von Apple nebenbei erstmals offiziell, dass der SDax-Konzern ein Zulieferer von Apple ist. Zuvor hatte es bereits Gerüchte gegeben, dass die Batterien in den Apple-Kopfhörern AirPods von Varta stammen.
Angeheizt wurden die Gerüchte durch Spekulationen, dass Apple hinter mehreren angekündigten Kapazitätserhöhungen bei Varta steht.
- Abhängigkeit von Apple: Varta hatte sich stark auf die Lieferung von Akkus für Apples drahtlose Kopfhörer verlassen.
- Nachlassende Verkaufszahlen: Als die Nachfrage nach diesen Kopfhörern schwankte, traf dies Varta hart.
- Unternehmenskrise: Diese Abhängigkeit stürzte das Unternehmen in eine tiefe Krise, die zu finanziellen Schwierigkeiten führte.
- Folgen für Aktionäre: Die Probleme bei Varta führten schließlich zu einem Kapitalschnitt auf null, wodurch die Aktien für Kleinaktionäre wertlos wurden und die Notierung an der Börse eingestellt wurde.
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