Baden-Württemberg - Massiver Stromverbrauch von KI: Stuttgarter entwickeln super sparsame Computerchips

Stand: 23.12.2025 14:11 Uhr

Künstliche Intelligenz verbraucht viel Energie. Die Stuttgarter Firma Q.ANT hat nun einen super sparsamen Chip entwickelt. Die Konkurrenz arbeitet aber schon an ähnlichen Lösungen.

Von Tina Fuchs, Petra Thiele

Wenn Künstliche Intelligenz im Einsatz ist, steigt der Energiebedarf schnell ins Uferlose: beim autonomen Fahren, in der Medizin und der Robotik. Die KI-Branche sorgt sich wegen dieses "Stromhungers" um ihre eigene 
Ihre neuartigen Computerchip sollen eine neue Ära einleiten, dank eines extrem niedrigen Energieverbrauchs. Die Chips können gleichzeitig eine hohe Zahl von Rechenoperationen durchführen. Dabei rechnen sie analog - also nicht über den digitalen Umweg mit Einsen und Nullen. Nach Angaben von Michael Förtsch, dem Geschäftsführer von Q.ANT, sind sie 30-mal effizienter als herkömmliche Computerchips.

Zukunftsfähigkeit. Die Stuttgarter Firma Q.ANT hat nun eine technologische Lösung dafür entwickelt.

Licht ist die Energiequelle für Computerchips

Die Chips von Q.ANT arbeiten mit Licht. Deshalb verbrauchen sie weniger Energie, sind deutlich schneller als andere und so leistungsstark, dass sie Bilder in Echtzeit generieren können. Dies sei ein visionäres Konzept, schwärmt Niels Quack, der Instituts für Mikroelektronik Stuttgart (IMS Chips)leitet. Er findet es phantastisch, dass diese Technologie entwickelt wird.

IMS-Leiter: Q.ANT kann was, was andere (noch) nicht können

Q.ANT lässt die Chips auch am IMS in Stuttgart bauen. Im Labor wird, im kleinen Maßstab, die zweite Generation der sogenannten phontonischen - also lichtbasierten - Chips von Q.ANT produziert. Das Team um Michael Förtsch habe da etwas geschaffen, das andere so nicht können, sagt der IMS-Leiter. Allerdings schlafe die Konkurrenz nicht. Es gehe beim Wettlauf mit den Rivalen weltweit um Monate, um den Vorsprung zu halten.

Technik-Chef von IONOS: Von USA und Asien unabhängiger machen

Andreas Nauerz, Technik-Chef vom Kommunikationsdienste-Konzern IONOS in Karlsruhe, kann sich vorstellen, die Stuttgarter Chips in seinen Rechenzentren zu nutzen - beispielsweise für Anwendungsfälle mit Künstlicher Intelligenz.

 
Q.ANT ist superspannend - nicht nur für unser Unternehmen, sondern für Europa in Gänze. Wir müssen wegkommen von dieser Vorherrschaft aus den USA und aus Asien. Und wir müssen hinkommen zu einer stärkeren Souveränität. Andreas Nauerz, Technik-Chef IONOS

Nachfrage muss starten und Produktion steigen

Drei Entwicklungen müssen jetzt parallel laufen, um der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen: Sie muss von Firmen nachgefragt werden, Rechenzentren müssen die Q.ANT-Prozessoren einsetzen und die Stuttgarter müssen liefern können.

Das Unternehmen hat diesen Sommer 62 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Die beiden stärksten Konkurrenten in den USA und Kanada werden allerdings deutlich besser finanziert. Sie zählen zu den Einhörnern, haben also eine Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar. Q.ANT ist eine Ausgründung aus dem Maschinenbaukonzern Trumpf in Ditzingen.

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