🔴 Aktuell (8. Mai 2026): Vorstandschef Thomas Böck kündigte den Abbau von rund 1.300 Stellen an deutschen Standorten an. Dies entspricht etwa 16 % der deutschen Belegschaft (ca. 8.200 Beschäftigte in Deutschland Ende 2025). Es handelt sich um den größten Stellenabbau in der Unternehmensgeschichte. Standortschließungen in Deutschland sind nicht geplant.

Aktualisierte Kennzahlen (Stand Mai 2026)

Umsatz 2025 3,33 Mrd. Euro (−3,7 % gegenüber 2024) – dritter Rückgang in Folge seit Rekordjahr 2022 (3,81 Mrd. €)
Mitarbeitende weltweit (Ende 2025) rund 20.600
Davon in Deutschland rund 8.200
Geplanter Stellenabbau Deutschland rund 1.300 Stellen (ca. 16 % der deutschen Belegschaft)

Hintergründe: Warum dieser Einschnitt?

Wettbewerb aus Asien Chinesische Anbieter drängen mit stark preisreduzierten Automatisierungskomponenten auf den Weltmarkt und setzen die Margen unter Druck – besonders im mittleren Preissegment.
Schwache Industriekonjunktur Die Nachfrage der europäischen Automobilindustrie, des Maschinenbaus und der Chemiebranche – allesamt Kernkunden – ist seit 2022 rückläufig.
Geopolitische Unsicherheiten Handelskonflikte, Lieferkettenprobleme und allgemeine Investitionszurückhaltung der Industrie belasten das Auftragsgeschäft global.
Strukturwandel in der Automatisierung Die Branche verschiebt sich von klassischer Pneumatik hin zu elektrischen Antrieben, Software und KI-gestützten Systemen – ein Wandel, der intern Umschichtungen erfordert.

Das globale Transformationsprogramm

Festo bezeichnet den Stellenabbau als Teil eines umfassenderen globalen Transformationsprogramms: kurzfristig Strukturen verschlanken und finanzielle Spielräume schaffen – langfristig Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit sichern. Der strategische Fokus lautet weiterhin „Seamless Automation": eine durchgängige, vernetzte Automatisierung von der Sensorik bis zur Cloud.

„Wir handeln jetzt frühzeitig, um Festo langfristig als starken Industriepartner und attraktiven Arbeitgeber zu erhalten." – Thomas Böck, CEO Festo (8. Mai 2026)

Umsetzung & Sozialverträglichkeit

Betroffene Bereiche Stellenabbau über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg; Details noch in Abstimmung mit dem Betriebsrat
Sozialverträglichkeit Betriebsbedingte Kündigungen sollen weitestgehend vermieden werden; bevorzugt Einvernehmlichkeit, Altersteilzeit und rentennahe Regelungen
Betriebsrat Aktive Abstimmungen laufen; Details zu Abfindungen und Zeitplan noch nicht veröffentlicht
Standorte Keine Standortschließungen in Deutschland geplant (Esslingen, Berkheim, Rohrbach, Denkendorf, Wiebelskirchen bleiben erhalten)
⚠ Reaktion der IG Metall: Die Gewerkschaft reagierte scharf: „Das hat uns und die Beschäftigten eiskalt erwischt", erklärte Funktionär Max Czipf (IG Metall Esslingen). Das Ausmaß sei überraschend und mache große Sorgen über die Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaftsregion. Die IG Metall hält den Schritt für falsch: „Wer in dieser wirtschaftlichen Krise Jobs abbaut, verantwortet den Schaden am Industriestandort."

Einordnung & Ausblick

Der Stellenabbau bei Festo reiht sich in eine Welle von Restrukturierungen bei deutschen Industrieunternehmen (Bosch, ZF, Continental, SEW-Eurodrive u.a.) ein, die alle mit ähnlichen Ursachen kämpfen. Als Familienunternehmen mit 100-jähriger Geschichte und ohne Börsendruck hat Festo jedoch mehr Spielraum für sozialverträgliche Lösungen als viele börsennotierte Wettbewerber.

Positiv zu werten: Festo investiert weiter in Forschung & Entwicklung (über 8 % des Umsatzes), hat mit Prof. Tomas Smetana ab Mai 2026 einen neuen F&E-Vorstand berufen und hält an seiner strategischen Ausrichtung auf Seamless Automation, KI-Integration und Festo Didactic fest. Die Substanz des Unternehmens ist intakt – der Umbau ist schmerzhaft, aber strategisch begründet.

Ergänzung Meilensteine

2022 Rekordumsatz 3,81 Mrd. Euro
2025 100-jähriges Firmenjubiläum – Umsatz 3,33 Mrd. Euro (dritter Rückgang in Folge)
Mai 2026 Neuer F&E-Vorstand Prof. Tomas Smetana; strukturelle Neuausrichtung auf „Seamless Automation"
8. Mai 2026 🔴 Ankündigung globales Transformationsprogramm: Abbau von rund 1.300 Stellen in Deutschland (ca. 16 % der deutschen Belegschaft). Keine Standortschließungen geplant. Sozialverträgliche Umsetzung angestrebt. Scharfe Kritik der IG Metall Esslingen.

Festo SE & Co. KG – Esslingen am Neckar
Aktualisierung: 9. Mai 2026 | Quellen: dpa, t-online, Stuttgarter Zeitung, Wikipedia